Der Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ veranstaltet nach elfeinhalbjähriger Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt seine Abschlusstagung.

Unter dem Motto „Performing the Future“ will diese zweierlei leisten: Zum einen soll die bisherige Theoriebildung im Bereich der Performativitätsforschung auf Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung geprüft und zum anderen die Hervorbringung von Zukünftigem als eine spezifische Wirkdimension des Performativen untersucht werden.

Der Sonderforschungsbereich ist mit seiner Theoriebildung im Laufe der Zeit in die verschiedensten Bereiche vorgedrungen, die nach immer neuen Zuschnitten und Neuperspektivierungen verlangten. So wurden für die verschiedenen Gegenstandsbereiche, in der Philosophie, der Soziologie, Ethnologie, Theaterwissenschaft, Literatur- und den Medienwissenschaften bis hin zur Theologie (um nur einige zu nennen), durchaus unterschiedliche Begriffe des Performativen entwickelt. Ganz bewusst wurde keine vereinheitlichende „unifying theory“ angestrebt, sondern Raum für ihre jeweils spezifischen Ausprägungen gegeben, die das Performative in seiner jeweiligen Eigenart zu fassen vermögen. In welche Richtungen können diese verschiedenen Ansätze noch weiterentwickelt werden? Wo liegen ihre Potenziale und wo ihre Grenzen? Hat der Performativitätsbegriff überhaupt eine Zukunft? Und wie könnte eine solche Zukunft sich in den verschiedenen Disziplinen gestalten?

Im Zuge der Weiterführung unserer Arbeit am Performativen ist ein Aspekt besonders hervorgetreten: Performative Prozesse sind Transformationsprozesse, die prinzipiell nicht vollkommen planbar, kontrollierbar und verfügbar sind. Im Zusammenspiel von intendiertem Handeln und Emergenz, von Planung und Kontingenz, taucht Ungeplantes, Nicht-Vorhersagbares auf, das den Prozess der Transformation wesentlich mitbestimmt. Performative Prozesse sind wirklichkeitskonstituierend, gehen in der Gegenwart ihres flüchtigen Vollzuges auf, bringen jedoch – indem sie auf Veränderung zielen – zugleich Zukünftiges hervor. Wirksamkeit erlangen performative Akte jedoch nur über ihre (regelgerechte) Aufführung. Im Vordergrund steht also nicht die Frage, welche Zukunft aus performativen Prozessen hervorgeht oder gar hervorgehen sollte. Vielmehr fragen wir danach, wie und auf welche Weise in ihnen Zukünftiges hervorgebracht wird. Worin besteht die transformative Kraft, die spezifische energeia des Performativen und wie lässt sie sich genauer beschreiben und fassen? Welche Momente und Faktoren vermögen dem performativen Prozess einen neuen Verlauf zu geben und ihn in ungeplante – vielleicht ungeahnte – Richtungen zu führen?

Die titelgebende Doppelformel „Performing the Future“ verweist in ihrer engen Verbindung von Darstellung und Herstellung auf diese beiden Fragestellungen unserer Konferenz.

Das Plakat zur Tagung „Performing the Future“ können sie hier als PDF herunterladen.