Das Projekt widmet sich der theoretischen und historischen Erforschung der Performanz von Wissen.
Eine erste Arbeitsphase des Projektes hat performative Momente bei der Herausbildung neuer Wissensformen im 17. Jahrhundert sondiert. Die Ergebnisse dieser Arbeit bieten inhaltliche und methodische Voraussetzungen für eine kontinuierliche Weiterführung, initiieren aber auch wichtige Neuakzente. Fortan soll zudem die Verwurzelung von Kunstexperimenten der Avantgarde als originelle Weise der Kreation von Fragestellungen, Erfahrungen und Wissen in diesen Ursprüngen thematisiert werden.
Weitreichende Vernetzungen performativer Wissenskulturen im historischen Raum sind meist durch kulturprägende Blickschranken aus der Geistes-Gegenwart von Wissenschaft, Kunst, Politik und Alltagsleben verdrängt worden. Wenn sich unsere Erforschung von Experimentalkünsten des 17. Jahrhunderts künftig an Spuren der Avantgarde orientieren soll, basierend auf einem theoretisch fundierten Begriff der Spur, so gehen wir von der These aus, dass sich die avantgardistische Kunst des 20. Jahrhunderts ungeachtet ihres Scheiterns als großangelegte Experimentalanordnung deuten lässt, programmatisch gerichtet auf die radikale Infragestellung solcher kulturprägender Blickschranken wo sie durchbrochen werden, zeigen sich die verwischten Spuren performativer Praktiken in den künstlerischen und wissenschaftlichen Experimenten des 17. Jahrhunderts. So gesehen erscheint experimentelle Kunst hier neben der Wissenschaft als originäre Form performativen Wissens und als Produktionsweise virulenter Fragestellungen, die sich in letzter Konsequenz gerade auf frühe Ursprünge der Moderne, bzw. auf die Emergenz der modernen Wissenschaft und Kunst richten.
Hatten wir uns zunächst auf Schauplätze, Instrumente und Praktiken des wissenschaftlichen und künstlerischen Experiments im 17. Jahrhundert konzentriert, um dann dissonante Relationen der Avantgarden des 20. Jahrhunderts zur frühneuzeitlichen Experimentalkultur aufzudecken, geht es uns nun unter weiter vertieftem Bezug auf das avantgardistische Neuverständnis des Experimentellen darum, die Performanz von Wissen als dynamischen Prozess, als Agens kulturellen Wandels in der Frühen Neuzeit zu verstehen. Diese Orientierung erwuchs aus Resultaten unserer Forschungen zu den zeittypischen und nachhaltig fortwirkenden Wissensfeldern Theatrum machinarum, Theatrum anatomicum und Theatrum alchemicum, die nun durch drei Projektschwerpunkte zur Dynamik von Theatrum oeconomicum, Theatrum politicum und Theatrum philosophicum komplettiert werden sollen.
Link zur Homepage:
http://www.theatrum-scientiarum.de
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