A7 Ritual und Risiko. Zur Performativität des Spiels zwischen Kulturanthropologie, Religion und Kunst

VORHABEN

Gesamtprojekt


Ziel des Teilprojekts ist es, aus wissenschaftshistorischer und religionsanthropologischer Perspektive Konstruktionen des Rituals bzw. des rituellen Spiels auf ihren Beitrag zu Konzepten des kulturellen Wandels und der Zukunftsgenerierung hin zu befragen. Dabei werden zum einen genuin religiöse Rituale sowie ihre Transformation in künstlerische Prozesse, zum anderen ihre wissenschaftliche Diskursivierung und Theoretisierung in den Blick genommen. Den Fokus der Fragestellung stellt weiterhin die Prämisse dar, dass (ludische) Rituale und (ritualisierte) Spiele durch den Einsatz (das 'enjeu'), den sie fordern, als riskante Prozesse ausgewiesen sind. Dies impliziert nicht allein die Potentialität des Scheiterns, sondern auch die Möglichkeit von Risiko-Provokation.
In der vergangenen Förderperiode hat sich gezeigt, dass durch die Historisierung der Ritual- und Spielforschung und die Fokussierung auf den Aspekt des Risikos neue und produktive Ergebnisse zu erzielen sind: Entgegen der These von der Stiftung orientierungssichernder Kohärenz durch Rituale konnte durch einen Zugang, der das mögliche Scheitern und die provozierte Gefahr im Blick hatte, das Unberechenbare und Emergente von rituellen Prozessen als Teil ihrer performativen Verfasstheit akzentuiert werden. Dies basiert auf der Prämisse der dem Ritual inhärenten Dynamik, geht aber über diese noch hinaus, da im Teilprojekt das experimentelle, mit dem Risiko spielende wie das katastrophische Potential des Rituals untersucht wird. Dieses Potential ist auch dort relevant, wo das Ritual auf der Oberfläche vor allem der Minimierung des Risikos dient. Vor diesem Hintergrund lässt sich Risiko insbesondere als produktives Movens und als Reflexionsgegenstand verstehen, also nicht allein als Synonym für Unsicherheit.
In der neuen Förderperiode soll die anthropologische Dynamik des Risikos weiterhin für eine Erfassung ludischer und ritueller Prozesse produktiv gemacht werden. Vertieft und spezifiziert wird unsere Fragestellung durch zwei zentrale Aspekte: Zum einen soll nun verstärkt die zeitliche Modalität, die dem Spiel und dem Ritual, zumal durch ihren riskanten Verlauf, eigen ist, herausgearbeitet werden; zum anderen soll die Hervorbringung zerstörerischer oder gewaltsamer Momente weiter ausdifferenziert werden. Beide Problemkomplexe führen zur Frage nach den Bedingungen von Veränderung und kulturellem Wandel, denn sie perspektivieren das Ritual hinsichtlich seiner Tendenz zur Bearbeitung des Zukünftigen durch Reflexion und Transformation des Vergangenen.

Projektvorhaben bis 2007

| oben | Projektliste | Homepage | SUCHEN | Stand: 27.06.2008