VORHABEN bis 2007
Gesamtprojekt
In der Geschichte religionssoziologischer und anthropologischer Ritualtheorien fungierte der Begriff des Spiels zumeist als Harmonisierungskategorie. Vor dem Hintergrund vorwiegend funktionalistischer Auffassungen von Spiel dominierte die Vorstellung, dass Rituale dank ihres Spielcharakters der Erprobung und Verwirklichung menschlicher Anlagen, der Einübung und Sicherung kommunikativer Kohärenz gesellschaftlicher und kultureller Verhältnisse oder der symbolisch agierten Darstellung und Bewältigung kollektiver und individuell-lebensgeschichtlicher Krisen dienen. Die Hypothese, dass in solchen Auffassungen der Stellenwert des Risikos tendenziell unterschätzt wird, knüpft an bisherige Ergebnisse der Performativitätsforschung an und ist der Ausgangspunkt des Teilprojekts. Es versteht sich als ein Beitrag zur Analyse nicht allein der Organisation des Religiösen bei der performativen Bildung von Gemeinschaften, sondern zugleich der
Organisation des Performativen bei religiösen oder parareligiösen, künstlerisch geprägten Formationsprozessen. Im Teilprojekt soll anhand paradigmatischer Konstellationen der Frage nachgegangen werden, auf welche Weise, aus welchen Gründen und mit welchen Implikationen im rituellen oder ritualisierten Spiel das Risiko als Reiz und tödliche Gefahr performativ reflektiert, in Kauf genommen oder sogar provoziert wird.
| oben | Projektliste | Homepage | SUCHEN | Stand: 27.06.2008
