Arbeitsgruppe Gender
In der interdisziplinären Arbeitsgruppe Gender geht es um die Diskussion der Leistungsfähigkeit, der Perspektiven und Grenzen eines performativen Konzepts von Gender. Wir verstehen Gender zum einen als eine historische, geschichtlichen Veränderungen unterworfene Kategorie und zum anderen als eine analytische Kategorie, die nach der Funktion, dem Wert und den Konsequenzen von Differenzierungen, Polarisierungen und Hierarchisierungen in historischen, sozialen, politischen und kulturellen Kontexten fragt. Charakterisiert ist die Arbeitsgruppe durch eine doppelte Fragestellung: die Frage "was wird performt" "was" hier verstanden als Gender wie auch als das Wissen von und über Gender ist nicht von der Frage "wie wird performt" zu trennen.
Folgende Themen und Fragen stehen im Mittelpunkt:
Ein Schwerpunkt der Arbeitsgruppe liegt auf der Begriffstrias Sex-Gender-Desire. Dabei werden sowohl die Historizität der Triade betont als auch die Konsequenzen und Gründe der unterschiedlichen Gewichtung, Relationierung und Hierarchisierung dieser drei Begriffe untersucht.
Des weiteren beschäftigt sich die Arbeitsgruppe mit der Frage nach der Aushandlung und Verkörperung von Normen in unterschiedlichen historischen Zeiträumen und verschiedenen medialen wie materiellen Erscheinungsformen. Zentrales Anliegen ist es dabei, den Konstitutionsprozess eines geschlechtlich differenzierten Subjekts nicht allein mit Blick auf das einzelne Subjekt zu beschreiben, sondern auch die damit verbundenen kollektiven Prozesse und Praktiken zu akzentuieren.
Schließlich werden verschiedene Aspekte der Kategorie Gender kritisch beleuchtet. Im Vordergrund stehen dabei: das Problem der eigenen wissenschaftlichen Beschreibung und der oftmals damit verknüpften Gefahr der Fortschreibung geschlechtsspezifischer Klischees; die Frage, wie sich die Konstruktion und Kontingenz von Gender mit der kaum zu leugnenden Stabilität und Kontinuität geschlechtsspezifischer Unterschiede und Hierarchisierungen verbinden lässt; die wissenschaftshistorische und theoretische Frage, warum die Kategorie Gender in den letzten Jahren solch einen immensen Erfolg in den Wissenschaften hat und welche Probleme mit ihrer Dominantsetzung im Hinblick auf Identitätsmodelle verbunden sind.
Leitung: Prof. Dr. Doris Kolesch
Kontakt: kolesch@zedat.fu-berlin.de
