B10 Stimmen als Paradigmen des Performativen.
Medien- und genderspezifische Dimensionen von Stimmlichkeit

VORHABEN:

Ziel des Projekts ist es, eine performative Ästhetik der Stimme zu entwickeln. Das Teilprojekt geht hierbei von der These aus, dass sich das Verhältnis von Performativität und Textualität paradigmatisch in der konkret sprechenden Stimme entfaltet. Im Zentrum stehen Aufführungen der (Sprech-)Stimme im 20. Jahrhundert, die auf ihre spezifischen medialen Dispositive (live auf der Bühne oder bei einer Dichterlesung; technisch re-produziert durch Mikrophon, Radio u.ä.; technisch-chemisch produziert durch Vocoder, eingeatmetes Gas u.ä.) sowie auf ihre jeweilige, immer auch geschlechtlich konnotierte Körperlichkeit befragt werden. Gegenstand sind ausgewählte Theateraufführungen und Performances, Video-Performances, Mixed-Media-Installationen, Hörspiele, Dichterlesungen, Hörbücher sowie historische Tondokumente (nicht nur von Schauspielerinnen und Schauspielern, sondern auch von Schriftstellern, Rednern und Radiosprechern, um jeweils zeit- und generationentypische Stimmlagen und Sprechweisen herauszuarbeiten).

Das Teilprojekt gliedert sich in drei Unterprojekte:

- Das Unterprojekt Stimmen als Paradigmen des Performativen soll eine Ästhetik von Stimme und Stimmlichkeit erarbeiten, die der Annahme Rechnung trägt, dass es weder einen Körper noch eine Sprache vor der jeweils konkreten Artikulation gibt. Es wird davon ausgegangen, dass Sprache immer nur in einem räumlich und zeitlich situierten Vollzug realisiert wird, dessen unterschiedliche materiale und mediale Bedingungen sich sowohl auf die Körperlichkeit als auch auf die Sprachlichkeit auswirken, die in und mit einer Sprachhandlung entstehen.

- Das Unterprojekt Stimmen, Medien und Techniken soll an ausgewählten Materialien das Verhältnis von Performativität, Stimmlichkeit und Medialität fokussieren. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass sich gerade am Beispiel der Stimme, die nicht nur in unserem Alltagsverständnis häufig als "unmittelbarer" und "unverfälschter Ausdruck" einer Person aufgefasst wird, sowohl die Einschreibung von (Körper-)Techniken als auch von Medien in den Körper besonders gut erforschen lässt.

- Das Unterprojekt Stimmlichkeit, Körperlichkeit und Affektivität will herausarbeiten, inwiefern stimmliche Qualitäten und Dimensionen an der Konstruktion von Geschlechtidentitäten beteiligt sind und inwiefern die Theatralisierung der Stimme Möglichkeiten der Irritation und In-Frage-Stellung des binären Geschlechtermodells eröffnet.



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