B4 Erzähltes Geschlecht - Unendliche Geschichten in der erotisch-ästhetischen Kultur insbesondere des letzten Jahrhundertdrittels

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Thema: Erzähltes Geschlecht – Unendliche Geschichten in der erotisch-ästhetischen Kultur insbesondere des letzten Jahrhundertdrittels

Das Projekt untersucht in drei Schwerpunkten - historische Genese, Medienästhetik und Identitätspolitik- eine weites Spektrum von ästhetischen Phänomenen, die mit der performativen Generierung von Gender und Sexualität im Zeitraum von der Jahrhundertwende bis zur Gegenwart verbunden sind. Performance und Performativität werden als Schlüsselbegriffe der Konstruktion und Dekonstruktion von geschlechtlichen und sexuellen Identitäten unter historischen, anthropologischen, ästhetischen sowie medien- und kulturtheoretischen Aspekten in einer nicht-essentialistischen Analyse ausdifferenziert. Die Projekte besitzen zwar einen literaturwissenschaftlichen Schwerpunkt, beziehen sich aber verstärkt auch auf andere figurative Künste und Medien, um der Vielschichtigkeit der betrachteten Phänomene gerecht zu werden.

Unterprojekt 1 "Problemgeschichte mit Textbeispielen des späten 19. Und frühen 20. Jahrhunderts"(Arbeitstitel)

Bei den erotisch-ästhetischen Entgrenzungssphänomenen in Literatur und Kunst, die unter dem Gesichtspunkt von Performativität beschrieben und analysiert werden, geht es direkt oder indirekt um die Provokation eines Text- und Schrift-zentrierten Kulturverständnisses durch die anarchischen Körperavantgarden seit Nietzsche. In Fallstudien sollen Kreuzpunkte markiert werden, an denen sich die verschiedenen Fluchtlinien der Formgeschichte und Theorie der Künste, der Soziologie der diversen ästhetischen Bewegungen, die historische Anthropologie des Körpers, die Gender-Forschung sowie die Analyse der Emanzipationsbewegungen sexueller Devianz, einschließlich der Geschichte des Nietzscheanismus treffen.

Unterprojekt 2 "Spielräume der Präsenz. Performance. Medien. Gender"(Arbeitstitel)

Im Zentrum der Untersuchungen von Sexualität und Gender in der anglo-amerikanischen Kultur von den 70er Jahren bis zur Gegenwart steht der konstitutiven Zusammenhang von Medienästhetik und performativer Praxis. Die Spezifika von Gender und Sexualität sollen als Dispositiv verschiedener performativer Praktiken in exemplarischer Form unter medialen und diskursiven Gesichtspunkten analysiert werden. Dabei werden sowohl die Intersektionen von text- und körperorientierten Inszenierungspraktiken und Subjektpositionen als auch die medialen Differenzen, intermedialen Phänomene und spezifischen Hybridbildungen in Literatur, Fotographie und elektronischen Medien in den Blick genommen. Aus der topographischen Verortung, der Frage nach den Orten und Räumen, in denen sich die unterschiedlichen performativen Praktiken unter spezifischen Erscheinungs- und Verwendungsweisen von Medien abspielen, soll eine theoretische Bestimmung von Präsenzästhetiken abgeleitet werden.

Unterprojekt 3 "Coming Out und Subkultur - Technologien des schwulen Selbst. Narrative Praktiken und Inszenierungsstrategien" (Arbeitstitel)

Das Unterprojekt befragt Romane, Fotografien, Filme und Kommunikationsstrukturen im Internet in Hinblick auf ihren spezifischen Beitrag zu einer Kultur des Coming out. Ausgangspunkt der Untersuchungen stellen zwei unterschiedliche performative Phänomene und Praktiken dar: zum einen die diskursive Konstruktion ein schwulen Identität und zum anderen die Übertragung subkultureller Stile und Lebensformen in die hegemoniale Kultur. Anhand eines überwiegend autobiografisch geprägten Materials soll ein Vergleich erotischer, theologischer und politischer Diskurse in Anlehnung an Foucault's Technologie des Selbst ermöglicht werden. Die Veränderungen des gesellschaftlichen und medialen Rahmens beeinflussen dabei die jeweilige Ausprägung der Kultur von Coming out seit dem für die Untersuchung geltendem Stichjahr 1969.


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