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B12 Die Szene des Virtuosen. Zu einer Grenz-Figur des Performativen

Unterprojekt 2: Tänzer und Artisten. Virtuose Körpertechniken und Medientechnologien vom 19. Jh. bis in die Gegenwart (Gabriele Brandstetter und Hans-Friedrich-Bormann)

Ausgehend von den Untersuchungen zur virtuosen Körpertechnik im Tanz des 19. Jh. sollen die Fragestellungen in einen weiteren Rahmen geöffnet werden: immer noch mit Schwerpunkt im 19. Jh., der Blütezeit des Virtuosen-Diskurses, sollen nun jene Bereiche der Artistik einbezogen werden, deren Performances als Magie und als Spiel mit dem (Körper-)Risiko des Performers auftreten. Im Zentrum wird dabei das Verhältnis von (Staunen erregender) Leistung des Virtuosen und Neugier, Faszination, Sensationslust des Publikums stehen.

Gefragt wird nach der Rolle der Technik für die Leistungssteigerung am Beispiel der körperlichen Beherrschung (des Instruments) und Steigerungen der (virtuellen) Höchst-Schwierigkeiten dadurch, dass die Technik des Instruments "verbessert" wird und damit die Herausforderungen auf technischem Weg die transgressive Figur des Virtuosen produzieren.

Demgegenüber lässt sich im 20. Jh. bis zur Gegenwart eine Transformation körpertechnischer Konzepte verzeichnen. Mit der Wendung des modernen Tanzes gegen das Perfektions- und Schwierigkeiten-Steigerungs-System des Balletts geht eine Inversion des Virtuosen einher. Nicht die Ausstellung von Risiko-Figuren, sondern eine Meisterung von physischen, psychisch-erfahrungsorientierten und mentalen Schwierigkeiten, deren Leistung nicht als körpertechnische, virtuose Brillanz sichtbar ist, ist hier die Herausforderung. Damit ist die Frage nach der Bewertung der "Leistung" selbst ein integriertes Element der Schwierigkeiten dieser Praktiken.

Es ist im Hinblick auf das Virtuose als Grenzfigur des Performativen schließlich die Frage zu stellen, inwiefern im 20./21. Jh. nicht die Medientechnologien die Szene des Virtuosen hervorbringen, in deren Begehrens-Sog der Star als Medieneffekt geboren wird. Seit Ende des 19. Jh.s werden Vorstellungen über und die Bewertung von Virtuosität auch durch Aufzeichnungs- und Präsentationstechnologien (Grammophon, Fotografie, Film, Video, CD und DVD) geprägt. Untersucht werden der Einfluss der medialen Aufzeichnung und Manipulation und die daran geknüpften Möglichkeiten der Distribution und der kommerziellen Vermarktung sowie die Strategien der Selbstinszenierung, die den Virtuosen als Medien-Star auszeichnen.


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