B2 Professionalität im aktuellen Wandel musikalischer Performanz

VORHABEN:

Im Ausgang von einer neueren Bedeutungsebene von 'performance', nämlich 'Leistung' unter Voraussetzungen wie Fähigkeit, Genauigkeit und Messbarkeit sowie vor dem Hintergrund neuerer Forschungsansätze in Soziologie und Ökonomie werden in dem Teilprojekt am Beispiel der Musik Fragestellungen zum gegenwärtigen Status von Professionalität im Rahmen künstlerischer performativer Prozesse bearbeitet. Hochleistung (konzeptionell, motorisch und mnemotechnisch) ist zwar stets Grundbedingung, wenngleich nicht notwendigerweise alleiniges Ziel performativer musikalischer Professionalität, aber im Zuge neuer Entwicklungen der elektroakustischen Techniken und audiovisuellen Medien haben sich in den letzten Jahren Veränderungen ergeben, die gerade in dieser Hinsicht sowohl den produktiven als auch den reproduktiven Bereich der Musik betreffen.

Mit der Konzentration auf die Ausbildung, Bedeutung und Veränderung von musikalischer Professionalität wird eine Ebene der musikalischen Aufführung thematisiert, die für den Kontext der Verschränkung aufführungspraktischer und aufführungsanalytischer Untersuchungsansätze neue Perspektiven eröffnet: Erstens impliziert der Aspekt des Professionellen im Rahmen einer Aufführung die Frage nach leistungs- und erfolgsorientiertem Handeln, die nicht nur die Musikproduktion als solche, sondern auch die Kommunikationsprozesse zwischen Aufführenden und Wahrnehmenden betrifft. Damit wird 'performance' im Sinne von Leistung aufgegriffen, wie es im Bereich der Technik gängig und von Jean-François Lyotard (La condition postmoderne, 1979) auch auf Veränderungen der wissenschaftlichen Pragmatik bezogen worden ist.

Zweitens erlaubt die Perspektive der musikalischen Professionalität Einblicke in die Ausbildung und Entwicklung neuer musikalischer und musiktheoretischer Kompetenzen – vor allem auf Grund der Anforderungen im Umgang mit elektroakustischen Apparaturen und Techniken –, die sich zuallererst in performativen Situationen zu bewähren haben. Drittens schließt die Thematisierung musikalischer Professionalität für den Bereich der neuen Musik auch die Frage ein, inwiefern die stimm- und spieltechnische Erweiterung der musikalischen Fähigkeiten die traditionelle Aufführungssituation verändert hat. Damit verbindet sich ein seit wenigstens einer Generation auch kulturpolitisch brisanter Umstand: die 'Unterwanderung' des offiziellen und kommerziell ausgerichteten Musikbetriebs durch das experimentelle Arbeiten der musikalischen Avantgarde mitsamt der Frage nach der Demokratisierung der Sphäre musikalischer Performanz.


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08.04.2005