VORHABEN:
Unser Projekt untersucht das Performative als eine kritische Strategie im Bezug auf die Produktion, Rezeption und Interpretation von Kunst. Zugrundegelegt wird dabei ein erweiteter Begriff von Performance, der auf die Performance Art und verwandte künstlerische Praktiken wie Happening oder Body Art rekurriert, aber nicht mit ihr gleichzusetzen ist. Anhand von Beispielen aus der Kunst der 60er bis in die 90er Jahre aus den Bereichen der Installations- und Objekt-Kunst, der Photographie und den elektronischen Bildmedien wird aufgezeigt, in welcher Weise sich das Performative auch in diesen Kunstformen finden läßt: als Kritik an dem vermeintlich autonomen Status des künstlerischen Werks und des produzierenden bzw. betrachtenen Subjekts, die zu einer grundsätzlichen Neubewertung von Prozeß- und Ereignishaftigkeit in der Kunst führte, bis zu der stillgelegten Aktion im photographischen Bild, das im Akt des Betrachtens performativ wird. Durch die Inszenierung realer Erfahrungsprozesse, durch Strategien der Verräumlichung, Verzeitlichung und Verkörperlichung, werden die Grenzen von Produktion und Rezeption verschoben, bisweilen aufgehoben und künstlerisch neu formuliert. Termini wie "Künstler", "Werk" und "Betrachter" sind somit keine gegebenen Konstanten mehr, sondern in ihrer Genese und Funktionsweise zu hinterfragen. In diesem Zusammenhang ist auch die veränderte Rolle der Kunstkritik zu untersuchen, seitdem Michael Fried in den 60er Jahren mit seinem an die Minimal Art gerichteten Vorwurf der Theatralität eine kunsttheoretische Basis formulierte, die zu zeitgenössischen Fragestellungen über Subjektivität, Ort und Ereignis hinführt.
Die Kunstgeschichte hat die performative Kunst lange marginalisiert, dann zur Reterritorialisierung angesetzt, um sie letztlich in genau die Ordnungssysteme zu überführen, die von ihr gesprengt wurden. Hier stellt sich die Aufgabe einer Methodenkritik, die im Hinblick auf philosophische und sozialwissenschaftliche Definitionen des Performanz-Begriffs und in Anbindung an theaterwissenschaftliche Methoden der Dokumentation und Analyse von Performances zu leisten ist.
Exemplarisch werden diese Fragen anhand der Arbeiten des irischen Künstlers James Coleman untersucht, der seit den 70er Jahren ein weites Repertoire an Genre- und Grenzübergängen in den Kontext der bildenden Kunst eingeführt hat. Seine Projected Images - Dia-Projektionen, die mit einer Tonband-Sprechstimme unterlegt sind - sind performative Konstruktionen zwischen Photographie, Performance und Theater. Mit ihnen wird ein künstlerischer Ansatz formuliert, aus dem heraus sich sowohl kunsttheoretisch als auch kunsthistorisch das Verhältnis von Stillstand und Bewegung, von singulärem Ereignis und Wiederholung neu denken läßt.
| oben | Projektliste | Homepage | SUCHEN | Stand: 12/02
