B5 Pädagogische Gesten in Schule, Familie, Jugendkultur und Medien

Unterprojekt: Familie

BEARBEITER

Sebastian Schinkel
Freie Universität Berlin
Sonderforschungsbereich 447
Grunewaldstraße 35
D-12165 Berlin
Tel.: +49 (0)30 838-50356
Fax: +49 (0)30 838-50365
E-Mail: s.schinkel (at) fu-berlin.de


PROJEKTBESCHREIBUNG

Vierte Projektphase (2008-2010):


Gesten im Familienleben. Körperliche Dynamiken in Arrangements des Familienalltags

Bisher wurde in den Analysen von Alltagsritualen, Festritualen sowie familialen Lernkulturen untersucht, wie das wechselseitige Bearbeiten von Generations- und Geschlechterdifferenzen durch unterschiedliche performative Umgangsstile geprägt ist. In diesen Untersuchungen waren die Körperlichkeit der Interaktionen und die räumlich-materiellen Arrangements stets im Zentrum der Analysen.
Daran anschließend soll untersucht werden, wie Gesten in Familien pädagogisch wirksam werden. Auf Grundlage der früheren Studien des Teilprojekts wird davon ausgegangen, dass die Gesten der Familienmitglieder die pädagogischen Beziehungen beeinflussen und Gesten einen wesentlichen Anteil an der familialen Erziehung und an dem emotionalen "Klima" in der Familie haben. Sie setzen Interaktionsprozesse in Gang oder schränken sie ein; sie bieten Möglichkeiten zur Bezugnahme und zur Intervention in Interaktionsabläufe. Gesten können einerseits bewusst und zielgerichtet für erzieherische Prozesse genutzt werden (z.B. indem Zuneigung oder Interesse, ein Vormachen von Fähigkeiten, eine Lenkung der Aufmerksamkeit oder disziplinierende Strenge in Szene gesetzt werden). Gesten haben andererseits aber auch einen nicht intendierten und unbeachteten Einfluss auf die individuellen Orientierungen und familialen Beziehungen.
Folgende Fragestellungen sind für das Unterprojekt Familie forschungsleitend:
  1. Wie werden Gesten zur Steuerung, Regulierung oder Umlenkung von Aufmerksamkeit und Verhalten genutzt? Inwiefern sind diese Gesten graduell bestimmt oder unbestimmt? In welcher Hinsicht kann von einem Gelingen oder Fehlschlagen pädagogischer Gesten gesprochen werden?
  2. Wie verhält sich der Gebrauch von Gesten zu den Machtbeziehungen zwischen den Familien­mitgliedern und zu deren jeweiliger körperlicher Präsenz? Wie zeigt sich in den Gesten Emotionalität im Spielraum von Zuneigung oder Zurückweisung, Er- oder Entmutigung, Lob oder Maßregelung?
  3. Lassen sich in Hinsicht auf Gesten Familienstile rekonstruieren? Kommen bestimmte Gesten privilegiert zur Geltung? Wie wirkt sich das jeweilige "soziale Setting" in Situationen "vor anderen" auf den Gebrauch von Gesten aus?
  4. Wie werden pädagogische Gesten von den Familienmitgliedern reflektiert? Was für Zusammenhänge bestehen zwischen einem reflexiven Wissen über den pädagogischen Einsatz von Gesten und der Erziehungspraxis?


ARCHIV- Informationen zu vergangenen Projektabschnitten:

Die Hervorbringung von Lernkulturen in Ritualen und Ritualisierungen.
Mimesis, praktisches Wissen und soziales Handeln


>> Projektbeschreibungen 2005-2007

Die Hervorbringung des Sozialen in Ritualen und Ritualisierungen (1999-2004).

>> Projektbeschreibungen 1999-2004


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