B5 Pädagogische Gesten in Schule, Familie, Jugendkultur und Medien

Unterprojekt: Jugendkultur

BEARBEITER:


Gerald Blaschke
Freie Universität Berlin
Arbeitsbereich Anthropologie und Erziehung
Arnimallee 11
D-14195 Berlin
Tel.: +49 (0)30 838-55851
Fax: +49 (0)30 838-56698
E-Mail: gerald.blaschke (at) fu-berlin.de

Dr. Ruprecht Mattig
Kyoto University, JAPAN
(assoziiert)
E-Mail: ruprechtmattig (at) googlemail.com

PROJEKTBESCHREIBUNG:

Vierte Projektphase (2008-2010):

In der vergangenen Projektphase konnte im Falle des Break- und Streetdance anschaulich herausgearbeitet werden, wie wichtig körperliche Praktiken für die soziale Interaktion und Wissensvermittlung in der Jugendkultur sind. Um diese Zusammenhänge zu überprüfen und zu differenzieren, sollen nun Gesten im Feld der Pop- und Rockkultur untersucht werden.
Die Rock- und Popmusik spielt eine zentrale Rolle für die Sozialisation von Jugendlichen. Bisher konzentrierten sich die Analysen in diesem Feld allerdings weitgehend auf den symbolischen Gehalt von Songtexten, Mediendarstellungen und Musikvideos. Zu Konzerten existieren kaum Untersuchungen. Ausgehend von der rituellen und performativen Dimension von Rock- und Popkonzerten werden in diesem Teilprojekt die gestischen Vollzüge zwischen Zuschauern und Musikern sowie innerhalb von Bands analysiert. Wir untersuchen, wie mimetische Bezugnahmen zwischen dem Publikum und den Musikern gestaltet werden, wie sich Publikum und Musiker gestisch aufeinander beziehen, und wie Gesten oder typische Posen zwischen dem Publikum und den Musikern zirkulieren. Aus pädagogischer Perspektive ist dieser Aspekt der Rock- und Popkultur bedeutsam, weil die Musiker und Zuschauer während der Konzerte implizit ein soziales Verhalten einüben und Konzerte bedeutsame Bildungsprozesse auslösen können. Das (praktische) Wissen, welches sie sich dabei aneignen, wird zu einem erheblichen Anteil über Gesten vermittelt. Davon ausgehend ist zu fragen, inwieweit Gesten in diesem Rahmen aus- bzw. aufgeführt, auf welche Weise sie dabei autorisiert und tradiert werden und welche Wirkungen sie entfalten.
Zur Bearbeitung unserer Fragestellungen werden wir zum einen videogestützte und teil­neh­mende Beobachtungen im Rahmen von Rock- und Popkonzerten sowie narrative und leit­fadengestützte Interviews und Gruppendiskussionen mit involvierten jugend­lichen Fans und Mitgliedern von Bands und Musikern aus dem Pop- und Rockbereich durch­führen. Folgende Fragen sind dabei leitend:
  1. Welche Gesten übernehmen innerhalb der Dynamik der jeweils untersuchten Perfor­mances welche Funktion und wie werden sie ausgeführt?
  2. Inwiefern entfalten Gesten, die im Rahmen von Rock- und Popkonzerten ausgeführt wer­den, handlungsleitende Wirkungen bei den Fans und den jugendlichen Bands und Musikern? Inwiefern werden durch mimetische Bezugnahmen auf Gesten spezifische Bildungserlebnisse hervorgerufen und soziale Verhaltensweisen eingeübt?
  3. Auf welche Weise müssen Gesten von den Ausführenden vollzogen werden, um Aner­kennung zu erlangen? Inwiefern geht es im Bereich der Jugendkultur um die Aneignung und Habitualisierung eines gestischen Wissens: eines Wissens um die Bedeutungen und den Ge­brauch von Gesten zur Anerkennung und Positionierung in sozialen Kontexten?
  4. In unmittelbarer Verbindung damit soll untersucht werden, inwiefern das pädagogische Potential von Gesten an den Stil ihrer Aufführung gebunden ist.


ARCHIV- Informationen zu vergangenen Projektabschnitten:

Die Hervorbringung von Lernkulturen in Ritualen und Ritualisierungen. Mimesis, praktisches Wissen und soziales Handeln

>> Projektbeschreibungen 2005-2007


Mimesis, praktisches Wissen und soziales Handeln

Die Hervorbringung des Sozialen in Ritualen und Ritualisierungen (1999-2004).

>> Projektbeschreibungen 1999-2004


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