B7 (2) Die 'Spolie': Fragment, Beutestück und Setzung im architektonischen Raum


Projektbeschreibung

Das Forschungsprojekt widmet sich mit der Spolienverwendung einem neuen Gegenstand, wobei diese Neuausrichtung auf den bisherigen Arbeiten zur Sammlungsgeschichte aufbaut. Die Bezeichnung "Spolie" (von lat. spolia: Raub, Beute) steht für einzelne Bauteile oder skulpturale Bildwerke, die aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang entfernt und sichtbar in ein neues architektonisches Ensemble integriert wurden. Diese Teile konnten als Überreste vormaliger Bauten zur Verfügung stehen, wurden häufig jedoch erst im Zuge einer gezielten Zerstörung bestehender Architekturen gewonnen; nicht selten in Folge von Konflikten und Herrschaftswechseln. Die bisherige Forschung konzentrierte sich dabei auf Spätantike, Mittelalter und Frühe Neuzeit als historischen Phasen besonders häufiger Spolienverwendungen.

Wurden die Zerstörung und Fragmentierung bestehender Bauten sowie die Überführung von Spolien an den Ort ihrer erneuten Verwendung häufig als triumphale Geste inszeniert, so ist der Spoliengebrauch zugleich eine Praxis der Überlieferung. Indem historische Artefakte in aktuellen architektonischen Situationen sichtbar präsentiert werden ist Spolierung ein konstitutiver Aspekt architektonischer und urbaner Ordnungen. Dieser erneute Gebrauch ist die spezifische Weise, in der Spolien sinnstiftend produktiv werden können und als Geste der Macht zugleich Wissen generieren.

Ausgehend von einer breiten historischen und kunsthistorischen Forschung konzentriert sich das geplante Vorhaben vor allem auf zwei Aspekte:
  1. Inwiefern lassen sich für Spolien und deren Verwendungen über den jeweils konkreten Fall hinaus geltende, allgemeine Handlungsmuster und -strukturen ableiten? Sind architektonischer Raum, materielle Präsenz und Beschaffenheit der Objekte, sowie topographische und symbolische Ordnungen hinreichende Faktoren, um die Spolie als Handlungszusammenhang zu beschreiben?
  2. Inwiefern öffnet eine solche Systematisierung unter dem Paradigma des Performativen den historischen Horizont über die Kernbereiche der bisherigen Forschung hinaus – gerade auch in Hinblick auf jüngste Geschichte und Gegenwart? In welcher Weise verleiht dieses erweiterte Feld in systematischer Hinsicht der Spolie und dem Spoliengebrauch neue, schärfere Konturen?


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