Schwerpunkt I: Kontaktzonen

Der Schwerpunkt beschäftigt sich mit der Begegnung zwischen Kulturen und fokussiert Prozesse des Austauschs, der Interaktion, der Übersetzung und Verflechtung von kulturellen Regeln und Praktiken. Dabei ist nicht zu leugnen, dass sich aus der Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen Abgrenzungen ergeben und dass die Art und Weise der Kulturbegegnung historisch die Dichotomie zwischen Eigenem und Fremden erzeugt hat. Wir gehen jedoch davon aus, dass diese Abgrenzung weder eindeutig, noch vorgegeben oder feststehend war und ist. Vielmehr lässt sich bezogen auf das Verhältnis zwischen Fremdem und Eigenem eher von einer dynamischen Interaktion und wechselseitigen Relation als von einer Trennlinie sprechen.

Anhand von Texten, Bildern, Filmen, Museen und Ritualen untersuchen wir, wie sich entlang von historisch spezifischen Aktualisierungen der Relation von Eigenem und Fremden Sinnstiftungen vollziehen. Bezogen auf die Performativität der Kulturbegegnung erscheinen uns folgende Fragen als besonders relevant: Welche Formen der Repräsentation des Fremden und Eigenen werden generiert? Welche Funktionen gewinnen sie und mit welchen Techniken der Wahrheitsgenerierung sind sie verbunden? Welche Deutungsweisen erfährt die Kulturbegegnung und in welche Richtung wird sie ausgelegt? Wie zirkulieren diese Sinnstiftungen über verschiedene Medien? Welche Rezeptionsweisen des Kulturkontakts bilden sich heraus und inwiefern handelt es sich hierbei um regulative und normierende Vorgaben? In den Darstellungen konkreter, einzelner Momente der Kulturbegegnung interessieren uns besonders folgende Aspekte: der Nachweis ihrer Authentizität, Fragen der Zeugenschaft und Anerkennung, die häufig geschlechtlich gebundene Vermittlung von Kultur, die Problematik der Asymmetrie sowie Fragen der Regulierung und Ausdifferenzierung von Zonen des kulturellen Kontakts. Welche Momente intervenieren dabei in den Prozess der Festlegung, zerlegen Scripte und Regelsysteme, verstören und stören die Dichotomie zwischen Eigenem und Fremden? Um uns der Bearbeitung dieser Fragen anzunähern, setzen wir uns anhand konkreter Beispiele mit dem Begriff der Kontaktzone auseinander, wie er von Marie Louise Pratt geprägt wurde, sowie mit dem "moment of wonder" im Sinne Stephen Greenblatts. Dabei wollen wir auch herausfinden, wie die Begriffe aus rein postkolonialen Debatten gelöst und erweitert sowie für Materialanalysen genutzt und präzisiert werden können.

Auf der Jahrestagung unseres SFB 2008 werden wir einen Beitrag zur Bedeutung von Gesten im Kulturkontakt vorstellen und planen für 2010 die Herausgabe eines gemeinsamen Bandes.