Schwerpunkt II: Destruktive Dynamiken
Kulturelle Umbrüche lassen sich aus zwei Perspektiven beschreiben: einerseits mit Blick darauf, was durch sie und in ihnen entsteht und andererseits mit Blick darauf, was dabei zerstört wird oder verloren geht. In performativitätstheoretischer Sichtweise treten bislang die produktiven Aspekte von Transformationen hervor, insofern Konzepte des Performativen das hervorbringende Moment von Prozessen und Ereignissen betonen. Ziel der Schwerpunktgruppe ist es zu klären, ob und wie auch destruktive Dynamiken, etwa die Destabilisierung und Zerstörung von Ordnungen, Subjekten und Körpern, mit Hilfe von Konzepten des Performativen erfasst werden können. Dafür gilt es, destruktive Dynamiken in historischen und aktuellen Prozessen des Wandels exemplarisch zu analysieren und die je spezifischen Verhältnisse von Destruktion und Produktion zu erhellen. Die methodische Herausforderung besteht dabei darin, Zerstören nicht allein als eine Funktion des Hervorbringens zu denken. Mit diesem Programm trägt die Schwerpunktgruppe zur Klärung der für den Sonderforschungsbereich künftig leitenden Fragen bei, welchen Erkenntniswert und welches kritische Potential Konzepte des Performativen für die Beschreibung und Analyse kulturellen Wandels haben können. In der Philosophie, den Sozialwissenschaften, der Theaterwissenschaft und den Literaturwissenschaften werden solche destruktiven Dynamiken z. B. im Rahmen von Verletzungen der körperlichen und sozialen Integrität, Auflösung von Ordnungen oder scheiternden Subjektkonstitutionen thematisiert. Entscheidend für die Arbeit der Schwerpunktgruppe ist, wie sich Destruktion und Produktion in der Eigenlogik des jeweils untersuchten Feldes unterscheiden. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Begriff der Destruktion nur als Oberbegriff für noch auszuarbeitende Abstufungen zerstörerischer Dynamiken dienen kann. Mittels dieser Abstufungen sollen unterschiedliche Ausprägungsformen von Destruktion, etwa von der unterschwelligen bis hin zur offenen Zerstörung, analysiert werden. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Blickverschiebung auf destruktive Dimensionen auch Fragen aufwirft, welche die im Sonderforschungsbereich übergreifend angesetzten Konzepte des Performativen tangieren und deren Modifikation erforderlich machen. In diesen Konzepten werden Ereignisse und Prozesse bisher vorrangig als produktiv, Ordnung stiftend und Wirklichkeiten hervorbringend gefasst. Es ist daher möglich, dass vorliegende Ansätze, wenn sie auf Zerstörung bezogen werden, selbst darin immer schon die produktive Seite in den Vordergrund rücken. Die Arbeit des Schwerpunktes soll erweisen, ob und wie das Performative um die Dimension des Zerstörerischen zu erweitern ist. Es ist also offen, ob mit der Blickverschiebung auf destruktive Dimensionen von Transformation auch eine Grenze des Performativen erkennbar wird.
| oben | Homepage | SUCHEN | Impressum |Stand: 26.06.2008