Schwerpunkt IV: Performativität – Theoriebildung – Autoreflexivität

Eines der Ziele des SFB war es bisher, eine Theorie des Performativen zu entwickeln und hiermit Phänomene zu erfassen, die vom Textualitätsmodell entweder ausgegrenzt oder aber 'domestiziert' wurden. Dabei ist es gelungen, bisher traditionellerweise essentialistisch konzipierte Gegenstandsbereiche als prozesshafte zu betrachten.

Um die Theoriebildung weiter voranzutreiben, sollen für die neue Antragsphase nunmehr die Grenzen einer Theorie (bzw. von Theorien) des Performativen ausgeleuchtet werden, um einerseits nicht-performative von performativen Prozessen zu unterscheiden, andererseits kulturelle Dynamiken im Allgemeinen von solchen Transformationen, die im Rahmen von Performativitätstheorien konzeptualisierbar sind. Dabei wird dem Verhältnis von Wissensordnungen zu Wissensdynamiken eine entscheidende Rolle zukommen, einem Verhältnis, das sich möglicherweise in Analogie zu dem Begriffspaar 'Kompetenz' und 'Performanz' theoretisieren lässt, insofern 'Wissensordnungen' synchrone Konstrukte darstellen, die immer nur aus Wissensdynamiken extrapolierbar sind. Solche Wissensordnungen können relativ stabil oder relativ instabil sein; entscheidend ist, dass der 'performative Blick' auf die Ordnung deren potentielle Dynamik allererst aufdeckt und beschreibbar macht, Theorien des Performativen also auch dort 'Prozesse' sichtbar machen, wo scheinbar 'Ordnung' herrscht. Schließlich wird nochmals zu überprüfen sein, ob nicht doch ein Theorierahmen zu erstellen ist, der über den Ansatz hinaus führt, das Performative als concetto ombrello zu begreifen, das – im Sinne von 'Familienähnlichkeiten' – sich überlappende, aber dennoch unterschiedliche Theoriebildungen meint. D. h. es stellt sich auf neuer Grundlage nochmals die Frage, was denn das aus der Theaterwissenschaft stammende performance-Modell, das auf Austin zurückgehende und auf größere sprachliche bzw. kulturelle Einheiten ausgeweitete Sprechaktmodell und die aus der generativen Grammatik stammende Unterscheidung von Kompetenz und Performanz verbindet. Selbst dann, wenn die drei (Teil-)Theorien nur sprachlich durch das Verbum to perform und dessen Ableitungen in Verbindung stünden, bleibt zu fragen, inwiefern unsere Analysepraxis Interdependenzen zwischen den drei (Teil-)Theorien konstruiert hat, die im Hinblick auf theoretische Stringenz problematisch sein mögen, analysepraktisch aber erfolgreich waren.


| oben | Homepage | SUCHEN | Impressum |Stand: 29.09.2008