EKPHRASIS
Kunstbeschreibungen und virtuelle Räume im medialen Wandel
8. 10. Mai 2003
Internationale Tagung des Sonderforschungsbereichs 447
'Kulturen des Performativen'
Forschungsprojekt A1: 'Repräsentation und Kinästhetik'
Die Ekphrasis ist so alt wie die abendländische Dichtung. Angefangen vom Schild des Achilles in Homers "Ilias", finden sich sprachliche Darstellungen von Gemälden, Skulpturen und anderen visuellen Medien in allen Epochen der Literaturgeschichte. Zudem liefert die Bibel mit ihren ausführlichen Beschreibungen von Tempeln und Städten die Baupläne einer idealen Architektur, die über Jahrhunderte hinweg
Gültigkeit besaßen. Daß diese sprachlichen Darstellungen von Bild- und Bauwerken gerade heute wieder in den Blickpunkt der Kulturwissenschaften rücken, hat seinen Grund in dem Bedürfnis unserer Medien- und Informationsgesellschaft, sich ihrer geschichtlichen Grundlagen zu vergewissern. Als Paradigma zur Historisierung von visual culture und Intermedialität bietet sich die Kunstbeschreibung dabei besonders an, weil sie von jeher einen Ort darstellt, an dem sich verbale und visuelle Weisen der Repräsentation überschneiden. Die Ekphrasis verwandelt den Leser in einen Bildbetrachter, der doch nur Worte vor Augen hat, und führt ihn durch imaginäre Räume, die doch nur in seiner Vorstellung existieren.
Die Tagung widmet sich zunächst den Kunst- und Architekturbeschreibungen des Mittelalters mit ihren antiken Vor-Bildern. Sie fragt nach den performativen, 'bewegenden' und 'animierenden' Verfahren der Ekphrasis, die den Lektüreprozeß an kinästhetische Wahrnehmungserfahrungen zurückbinden und den Lesern visuelle Navigationshilfen zur sinnerfassenden Orientierung in Texten anbieten. Von den alten Kulturen aus wird der Blick dann auf die Transkriptionen von Wort, Schrift und Bild in den neueren Künsten, aber auch in den Projektionsmedien unserer Zeit geöffnet. Die Leitfragen der Tagung richten sich dabei einerseits auf das Verhältnis von 'inneren' (mentalen) und 'äußeren' (extramentalen) Bildern, andererseits auf die spezifischen Realisationen von Raum und Räumlichkeit in verschiedenen medialen Formationen. Nicht zuletzt sollen dabei die historischen Dimensionen eines Begriffs von 'Virtualität' erörtert werden.
TAGUNGSPROGRAMM
Veranstaltungsort:
Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, Raum 3031
| Uhrzeit/Time |
Donnerstag, 8. Mai |
| 18.30 19.00 | Begrüßung / Welcoming |
| 19.00 20.00 | JAMES A. W. HEFFERNAN (Hanover, USA): Speaking for Pictures: Language and Abstract Art |
Veranstaltungsort:
Freie Universität Berlin, Grunewaldstr. 35, Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft
| Uhrzeit/Time |
Freitag, 9. Mai |
| 9.30 10.00 | HAIKO WANDHOFF: Einführung in das Tagungsprogramm I. DIE ORTE DER BILDER: IMAGINATION / REZEPTION / GEDÄCHTNIS |
| 10.00 11.00 | MARY CARRUTHERS (New York): Ekphrasis and Rhetorical Invention in the High Middle Ages Kaffeepause |
| 11.30 12.15 | CHRISTINA LECHTERMANN (Berlin): nach sînes herzen gêr: imaginatio und Lektüre |
| Mittagspause |
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| 14.15 15.15 | CHRISTINE RATKOWITSCH (Wien): Die Beschreibung von Kunstwerken in der römischen Dichtung: Literarische Tradition und Neuerung |
| Kaffeepause |
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| 15.45 16.30 | II. VIRTUELLE RÄUME: BEWEGUNG / IMAGINATION / PROJEKTION HAIKO WANDHOFF (Berlin): 'Von synnwerck, nit von stein': Ein Gang durch die enzyklopädischen Architekturen der Dichtung |
| 16.30 18.30 | Open Space: Begegnungs- und Gesprächsforum Gemeinsames Abendessen |
Veranstaltungsort:
Freie Universität Berlin, Grunewaldstr. 35, Hörsaal des Instituts für Theaterwissenschaft
| Uhrzeit/Time |
Samstag, 10. Mai |
| 9.30 10.15 | CARSTEN MORSCH (Berlin): Virtuelle Wahrnehmungsräume in mittelalterlichen Texten: Betten und Frauenzimmer |
| Kaffepause |
|
| 10.45 11.30 | KIRSTEN WAGNER (Berlin): Kartografierte Informationsumgebungen: Bildräume und Raumbilder der computerbasierten Wissensorganisation |
| 11.30 12.15 | III. TRANSKRIPTIONEN: SEHEN / LESEN / RECHNEN HORST WENZEL (Berlin): Gefangenschaft und Befreiung: Zur Verlebendigung mittelalterlicher Bildnisse |
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Mittagspause |
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| 14.00 14.45 | MORITZ WEDELL (Berlin): Transmediale Bilder: Die Kulturtechnik des Bildes in der höfischen Literatur |
| Kaffepause |
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| 15.15 16.00 | BARBARA GRONAU (Berlin): Zeitfluß und Spur - Kunstbeschreibung in der Theaterwissenschaft zwischen Erinnerung und Imagination |
| 16.00 16.45 | WOLFGANG ERNST (Berlin): Mit Bildern rechnen. Ekphrasis jenseits der Erzählung |
| Abschlußdiskussion |
Veranstaltungsorte
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6 Raum 3031
10099 Berlin
Freie Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
Grunewaldstr. 35 Hörsaal
12165 Berlin
Veranstalter
Sonderforschungsbereich 'Kulturen des Performativen'
Forschungsprojekt A1:
Repräsentation und Kinästhetik im Spannungsfeld von Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Leitung: Prof. Dr. Horst Wenzel
Konzeption und Organisation
Dr. Haiko Wandhoff
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für deutsche Literatur
Unter den Linden 6
Sitz: Schützenstr. 21
10099 Berlin
Kontakt
Dr. Haiko Wandhoff
Email: haiko.wandhoff@rz.hu-berlin.de
Tel.: ++49 30 2093 9704
Fax: ++49 30 2093 9612
http://www2.hu-berlin.de/literatur/EkphrasisTagung/
Dank
Besonderer Dank gilt der DFG sowie den Verlagen Walter de Gruyter, Erich Schmidt (beide Berlin) und Böhlau (Köln) für die großzügige Unterstützung der Tagung.
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