Thomas Alkemeyer / Robert Schmidt / Martin Stern

Aufs Spiel gesetzte Körper. Aufführungen des Sozialen und die Erschaffung des Selbst in Sport und populärer Kultur

Ankündigung der Jahrestagung der dvs-Sektion Sportphilosophie in Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 1717 "Kulturen des Performativen" der Freien Universität Berlin

4.10.2001 bis 6.10.2001 in Berlin (Institut für Theaterwissenschaft, Grunewaldstr. 35, D-12165 Berlin)


Performative Prozesse der Verkörperung des Sozialen in Spielen und den Ritualen, Spektakeln und Festivals der populären Kultur durchsetzen vielfältig das gesellschaftliche Leben. Sie sind prozesshaft und vermitteln andere Wirklichkeitserfahrungen als Sprache und Text. Es verbinden sich hier heterogene symbolische Elemente (Mode, Pop, Sport) zu neuen kulturellen Räumen im Spannungsfeld von Globalisierung und Lokalisierung. Zugehörigkeit, Distinktion, Wertvorstellungen, Personen- und Gendermodelle existieren in diesen kulturellen Praxen nicht in institutionalisierter Form, sondern müssen stets aufs Neue performativ über Attribute (Zeichen, Gesten, Bewegungen) her- und dargestellt werden. Während z.B. im klassischen Sport das Prinzip messbarer Leistung entscheidend ist, gewinnen in den neuen Spielen Selbstdarstellung, Virtuosität, Körperkunst, Wagnis und Abenteuer an Bedeutung: Die Subjekte spielen, indem sie ihre Körper aufs Spiel setzen, bewusst auf Sicherheit verzichten und Routinen aufgeben. Der Körper ist hier nicht allein als effizient funktionierender Leistungskörper von Bedeutung, sondern auch als Empfänger und Erzeuger von Erregung. Durch hochtechnologische Geräte (Skates, Bikes etc.) und Bewegungen wie Gleiten und Drehen, durch hohe Geschwindigkeiten oder dadurch, dass man sich in Gefahr begibt, werden die Sinne angereizt und intensive Gefühle erzeugt. Klassische Methoden rigider Körperformung weichen Techniken der Selbsterprobung und -gestaltung, die durch medial vermittelte Körperformangebote, Warenästhetiken und populäre, protoreligiöse Mythologien orientiert werden.
Die Tagung soll im Austausch von Sportwissenschaft, Philosophie, Soziologie, Pädagogik, Cultural Studies, Historischer Anthropologie, Musikwissenschaft, (europäischer) Ethnologie und Gender Studies u. a. folgenden Fragen nachgehen: Wie sind die Beziehungen zwischen Körper-, Bewegungs- und Spielkulturen und sozialen Prozessen in anderen gesellschaftlichen Bereichen? Prägen sich in den neu entstehenden kulturellen Räumen aus Pop, Sport und Mode neue Formen von Gemeinsamkeit aus? Welche Mythologien und Ideologien werden darin verkörpert? Deutet sich in neuen Formen des Körpergebrauchs ein Wechsel von der Leistungs- zur Erfolgsgesellschaft an, in der nicht quantifizierbare Leistungen, sondern das Wagnis und der Zufall günstiger Gelegenheiten über Erfolg oder Misserfolg entscheiden? Welche Rolle spielen Medien (Lifestyle-Zeitschriften, Videos, Sportübertragungen) für die Selbstbildung und den sozialen Zusammenhalt? Weiten die neuen (Körper-)Techniken der Selbsterprobung die Grenzen der eigenen Kultur aus, oder handelt es sich eher um Formen der Selbstnormalisierung und der ideologischen Subjektion?
Anmeldungen und weitere Informationen bei:

PD Dr. Thomas Alkemeyer
Freie Universität Berlin (Institut für Sportwissenschaft / Arbeitsbereich Philosophie und Soziologie des Sports) Schwendener Str. 8
D-14195 Berlin
Tel. 030/838 52735
Fax. 030/838 52736
e-mail: alkemeye@zedat.fu-berlin.de oder womast@zedat.fu-berlin.de



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